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Kiel muss wirklich ein übles Provinznest sein, wie anders ist es zu erklären, dass Stuttgart mir wie eine andere Welt vorkam?
Mich beherrscht die Frage, ob es dort immer so viele Menschen gibt, oder ob das nur ein weiterer Negativaspekt dieses gruseligen Volksfestes ist.
Und wo ich schon beim Thema bin: DER
Cannstatter Wasen (in meiner norddeutschen Naivität dachte ich übrigens, es heißt
die Wasen (so wie die Wies´n)). Dass so ein Volksfest besonders für dröge Nordlichter ein äußerst zweifelhaftes Vergnügen ist, war mir schon klar, aber das Ausmaß des Grauens konnte ich mir nicht ausmalen. Ich will es sachlich versuchen: 8 Festzelte à 5000 Besucher, umgeben von geschätzten weiteren 150.000 Menschen und menschenähnlichen Kreaturen. In den Zelten : lederbehoste Tanzkapellen und ein Publikum, das zu "viva colonia" ebenso auf den Tischen tanzt wie zu "patrona bavariä". Wirklich bemerkenswert ist nur die einmalige Standkombination, die ich auf diesem Foto festgehalten habe, und die es so wohl nur auf einem sich selbst karikierenden Voksfest in Süddeutschland geben kann:

Ich habe dann auch nicht mehr das Experimet "Pudel mit Maßbier" vollzogen, sondern wesentlich gepflegter in der
kleinsten Brauerei Stuttgarts "Calwer Eck" das "Braumeisterbier" probiert. Da hatten selbst die Gläser eher Pudelniveau!

Meine kulinarische Rundreise führte mich weiter nach Freiburg, wo sich dann auch die Erkenntnis verfestigt hat, dass schwäbische und badische Küche vor allem aus Gyros und Souflaki besteht. Was die Menschenmassen angeht, stand Freiburg Stuttgart übrigens in nichts nach. Bei der Besichtigung des Freiburger Münsters wurde ich unvermittelt von einer Schar französisch sprechender Touristen umzingelt, es gelang mir nur mit Mühe, unversehrt den Ausgang zu erreichen.
Da habe ich mich doch lieber über die Grenze in die Schweiz aufgemacht... kleiner Tip für die Führerscheininhaber unter Euch: Fahrt niemals mit dem Auto in eine Schweizer Stadt! Es wird schon seinen Grund haben, dass sie die Ampeln dort zur Sicherheit zusätzlich auch nochmal horizontal aufgehängt haben! Nach unendlichen Kreisfahrten wegen Kreisverkehrs zum einen und Einbahnstraßen zum anderen habe ich aber auch Basel und Zürich wieder heil verlassen können.
Aber ein Restaurant nur für mich uns meinesgleichen haben sie dort, falls Nomen hier Omen sind.
Weder in der Schweiz noch in
Staufen habe ich aus spontanem Finanzbewusstsein heraus Bier oder Speisen genossen. In letzterem wollte ich lediglich das "Gasthaus zum Löwen" besichtigen, in welchem seinerzeit Dr. Faustus vom Teufel geholt wurde. Da ich wie kein anderer mit "des Pudels Kern" vertraut bin, konnte ich mich auch gleich den nächsten Zielen zuwenden.

Ein Tagesausflug nach Frankreich hat mich wie üblich an dem werten Herrn Goethe vorbei geführt, diesmal in Strasbourg.
Eine wirklich charmante, entzückende Stadt, der ich gerne mehr Zeit und Aufmerksamkeit geschenkt hätte, aber leider hat der Herbst mir an diesem Tag eine kleine Sintflut beschert, so dass ich bereits nach halbstündigem Stadtrundgang trotz Regenschirms den berühmten begossenen Pudel zur Schau stellen konnte.
Stattdessen habe ich per Auto warm und trocken eine Fahrt durch´s Elsaß bis Colmar gemacht.
Deshalb habe ich auch eines der geschmacklosesten Geschäfte der Welt entdeckt, aus dem ich definitiv niemals etwas geschenkt bekommen möchte:
Capitale du pain d'épices, Gertwiller

Jeder der dachte, es geht nicht noch schlimmer, fühle sich nun eines besseren belehrt: Ganz Frankreich kann auch unter größten Anstrengungen nicht absurder sein als der Schwarzwald!
Im Höllental wurde ich Zeuge eines großartigen, halbstündlich wiederkehrenden Schauspiels: Die größte Kuckucksuhr der Welt! Die vollen Stunden werden von Herrn Kuckuck noch persönlich ausgerufen, der dann die Bühne freigibt für Burschen und Madeln in Schwarzwaldtrachten, die sich zu heimatlichen Klängen im Kreise drehen.
In fassungloser Ehrfurcht erstarrt,
Des Hörschtle
pink poodle - 8. Okt, 17:27